Wirtschaft

Über Krisen, Agilität und Resilienz

Die umfassende Bedeutung von Krisenresistenz wurde uns in diesem Jahr deutlich vor Augen geführt. Resistenz allein reicht nicht: Es sind agile interne und externe Strategien und Formen gefragt. Und dies subito – und ohne Schonzeit. Wie geht ein Personalberatungsunternehmen mit dieser Herausforderung um? Das beleuchten wir hier.

Von links: Jörg Lienert (VRP und Inhaber), Tobias Lienert (VR, Stv. Geschäftsführer), Markus Theiler (Geschäftsführer) und Rosmarie Lienert-Zihlmann (VR, Mandatsleiterin) im regen Austausch. Bild: Madeleine Lienert (vor Corona aufgenommen)

Unternehmen sind Teil eines Mikrokosmos, der vom Zusammenspiel interner und externer Faktoren lebt. Vor allem intern spielen Menschen eine tragende Rolle. Und so ist es nicht überraschend, dass die aktuelle Krise schnell auf den HR-Bereich übergeschwappt ist. Um nur ein paar Stichworte zu nennen: Kurzarbeit, Homeoffice, Entlassungen, Einstellungsstopp usw. wurden innert kürzester Zeit Tatsache.

Lösungen aufzeigen
«Als Personalberater war es für uns wichtig, möglichst rasch und zügig unseren Kunden Lösungen aufzuzeigen und anzubieten», führt Markus Theiler, Geschäftsführer der Jörg Lienert AG, aus. Dazu gehörte auch, die nachvollziehbare Schockstarre zu überwinden und zu erkennen, dass Widerstand allein nicht reicht, sondern mit pragmatischen, agilen Ansätzen dem Ausmass der Krise zu begegnen. «Wir selbst haben schnell ein individualisiertes und erweitertes Angebotsportfolio für unsere Kunden konzipiert, ohne unsere Kernkompetenz, die Suche und Selektion von Fach- und Führungskräften, zu verlassen.»

Chancen erkennen und umsetzen
Dazu zählt auch der Vorteil, als externer HR-Partner im Auftrag des Kunden anonym Vakanzen ausschreiben zu können. Zudem galt es, regionalen Unterschieden mit den passenden Massnahmen zu begegnen. Während Basel, Zürich, Bern und die Westschweiz besonders schwer betroffen waren – vor allem durch hohe Fallzahlen und einem sofort verhängten Einstellungsstopp – konnte in der Zentralschweiz weitgehend «normal» weitergearbeitet werden. «Wir haben die Zeit genutzt, um Projekte anzupacken, die im Arbeitsalltag nicht wie gewünscht vorangetrieben werden konnten», führt Tobias Lienert, stellvertretender Geschäftsführer, aus. Themen seien dabei die Digitalisierung und interne Schulungen in verschiedenen Bereichen wie Social Media oder das Verfassen von Texten gewesen.  

Resilienz und Eigenverantwortung
Ob als Unternehmer*in oder Privatperson: Die Krise hat uns alle erfasst. Und so kommt neben der Krisenresistenz und Agilität noch ein weiterer Aspekt dazu: Die Resilienz. Gemeint ist damit die psychische Widerstandskraft und die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Auch dieser Begriff hat eine ganz neue Bedeutung bekommen. Alle sind aufgefordert und gefordert, für sich selber einen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen – als Individuum und als Teil eines Kollektivs.

Führungspersonen sind gefordert
In Krisenzeiten erkennt man den wahren Charakter eines Menschen. Gerade Führungspersonen sind gefordert, als Vorbild voranzugehen und mithilfe einer klaren Kommunikation allfällige Unsicherheiten auszuräumen und auch aufzufordern, die Komfortzonen zu verlassen und in der Krise nach neuen Wegen zu finden. Wir sind es uns nicht gewohnt, von aussen diktierte Verordnungen widerstandslos zu akzeptieren. Auch dies ist eine neue Erfahrung, zu der wir uns eine Meinung bilden und ein entsprechendes Verhalten ableiten müssen.

Ohne individuelles unternehmerisches Missmanagement ist die ganze Wirtschaftswelt ins Wanken ja sogar zu Fall gekommen. Das ist eine Tatsache, die empfindlich schmerzt. Und doch haben wir die Wahl, dem Ganzen mit neuen Ideen und Angeboten zu begegnen, um gemeinsam einen Weg in und aus dieser aussergewöhnlichen Situation zu finden.

Dieser Artikel ist in der Beilage der Luzerner Zeitung, im Wirtschaftsmagazin ROI zum Thema «Krisenresistenz», am 18. November 2020 erschienen. Die ganze Ausgabe finden Sie hier.

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