HR-Insights

Fachkräftemangel im NPO-Bereich. Hilft ein attraktives Employer Branding, Fachpersonen anzuziehen und zu halten?

Der Fachkräftebedarf fordert neue Denkweisen. Auch wenn dieser in verschiedenen, zum Teil nicht direkt beeinflussbaren Faktoren wie zum Beispiel der demografischen Entwicklung oder der Bildungspolitik seinen Ursprung hat, so gibt es doch Möglichkeiten, diesem als Institution kreativ zu begegnen.

Die Situation gekonnt einschätzen
Die Komplexität der Zusammenhänge in Bezug auf Fachkräftemangel ist hoch. Je nach Branche und Funktion können Positionen mit bestimmten Qualifikationen nicht besetzt werden. Gerade weil diese Komplexität vorhanden ist, ist es sinnvoll, verschiedene Lösungsvorschläge anzugehen – wie zum Beispiel die Handlungsfelder der Fachkräftepolitik aufzeigen (siehe Fachkräftepolitik SECO). Einerseits besteht die Möglichkeit, für einzelne Berufe massgeschneiderte Lösungen zu finden, andererseits können Strategien wie ein erfolgreiches Employer Branding verfolgt werden. Gerade eine attraktive Arbeitgebermarkenbildung kann im Hinblick auf die erheblichen Unsicherheiten bezüglich zukünftiger Entwicklungen eine Orientierungskomponente bilden und die unternehmensspezifischen Gegebenheiten im Hinblick auf die Gewinnung und das Halten kompetenter und fähiger Mitarbeitenden verbessern.

Eine authentische und glaubwürdige Ausrichtung ist zentral
Wird ein Unternehmen intern und extern als attraktive:r Arbeitgeber:in wahrgenommen, hat dies direkte Auswirkungen auf die Besetzung von Positionen, welche aufgrund des Fachkräftemangels schwer zu besetzen sind. Sich dieser Verbindung bewusst zu sein, ist entscheidend für die erfolgreiche Entwicklung und Positionierung einer Arbeitgebermarke. Mit unternehmensstrategischen Massnahmen, wie der passenden Kommunikation, gezielt gewählten HR-Massnahmen und Marketingansätzen, können potenzielle, bestehende und ehemalige Mitarbeitenden angesprochen und kann die Wahrnehmung als authentische und glaubwürdige Unternehmung gefestigt werden. Neben der Mitarbeitenden-Gewinnung inspiriert ein attraktives Employer Branding als Teil der Unternehmensidentität die Optimierung und den Ausbau von Bestehendem, fördert die Integration von Neuem und lässt in der Unternehmung schlummernde Möglichkeiten entfalten – jeweils gepaart mit Interesse, Neugier und Wertschätzung. Gerade Fach- und Führungspersonen mit ihrer Vorbildrolle beeinflussen als authentische und glaubwürdige Unternehmensrepräsentanten die Aussen- und Innenwahrnehmung und übernehmen eine Schlüsselrolle, wenn es um zukunftsorientierte und sinnstiftende Vorgehensweisen geht.

Kreative Attraktivitätsfaktoren stehen im Fokus
Welche Ansätze sind heute im NPO-Bereich besonders stark vertreten, um ein attraktives Employer Branding zu verfolgen? Im Austausch mit Verantwortlichen aus dem Bereich, wird klar, dass in der heutigen Zeit besonders Kreativität gefragt ist. Die Förderung und Ausarbeitung von neuen Berufsbildern, neue Arbeitsmodelle besonders ausgerichtet auf familienfreundliche Ansätze (siehe Blog-Beitrag zu Job- und Topsharing) sowie Weiterbildungsmöglichkeiten und Lohnanpassungen gestalten als Massnahmen den NPO-Bereich um und verändern dessen Wahrnehmung. Gerade stark verankerte Werte wie Wertschätzung, Ehrlichkeit, hohe Sicherheit und der enorme Grad an Sinnhaftigkeit sprechen für die Institutionen, widerspiegeln sich in der Kultur und sind auch für Personen aus der Privatwirtschaft attraktiv. Die intrinsische Motivation, Erfüllung und Sinnhaftigkeit zu finden, kann in einem solchen Umfeld als gegeben angesehen werden. Die beobachtbare Auseinandersetzung mit Attraktivitätsfaktoren inspiriert zu einem hohen Reflexionsgrad innerhalb der Unternehmungen aus dem NPO-Bereich. Um Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten, werden verschiedene Perspektiven eingenommen und erweitert. Wie die Erfahrung zeigt, birgt gerade die Rekrutierung viel Potenzial, wenn es um die Attraktivitätssteigerung der Arbeitgebermarke geht. Ansprechende Ausschreibungen, klare Profile und durchdachte Suchstrategien führen dazu, die passenden Mitarbeitenden gezielt anzusprechen und erhöht die Sichtbarkeit der Unternehmung. Ein wertschätzender und auf Respekt aufbauender Selektionsprozess bietet die Möglichkeit, die im Unternehmen gelebte authentische und ehrliche Kultur gegenüber potenziellen Mitarbeitenden zu verkörpern. Konzepte wie Fairness, Transparenz und Offenheit in einer Selektion zum Leben zu erwecken, fördern weitreichende Begegnungen und lassen jenes hervortreten, was für den NPO-Bereich als so kennzeichnend angesehen wird: Gemeinsam wird Grosses erreicht.

Die Balance zwischen annehmen und verändern
Schlussendlich kann das strukturelle und historisch gewachsene Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage durch ein gekonntes Employer Branding nicht vollumfänglich behoben werden. Die Ansprüche der Arbeitnehmenden sind vielfältig und weisen eine steigende Tendenz auf – hierbei eine Balance zu den Unternehmenserwartungen zu schaffen, erfordert eine immer wieder stattfindende Neuausrichtung. Und doch: Ein attraktives und authentisch gelebtes Employer Branding führt zu einem positiven Unternehmensimage und verkörpert die Glaubwürdigkeit einer Institution. Anhand eines solchen Fundamentes gewinnt eine Unternehmung im NPO-Bereich eine bessere Ausgangslage und kann sich erfolgreich positionieren – sowohl intern wie auch extern. Ein attraktives Employer Branding kann jedoch das Potenzial einer Unternehmung nur dann verwirklichen, wenn es nicht als Mittel zum Zweck angesehen, sondern authentisch, als echte Haltung und als Teil der Unternehmenskultur gelebt wird. Nur so findet eine ehrliche Begegnung mit den (potenziellen) Mitarbeitenden statt, welche zum Erfolg führen wird – denn immer ist der Mensch der entscheidende Faktor.

Employer Branding im NPO-Bereich – eine sich lohnende Perspektive
Sandra von Hermanni, Niederlassungsleiterin Basel der Jörg Lienert AG hat sich im Rahmen der Mitgliederversammlung vom Verband Soziale Unternehmen beider Basel (SUbB) mit der Thematik auseinandergesetzt. Wir danken für den vertrauensvollen und inspirierenden Austausch.

Autorin:
Sandra von Hermanni

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