Loyalität – angesagt oder ein Auslaufmodell?

Loyalität gegenüber Auftraggeber*innen wie auch Kandidat*innen spielt beim Selektionsprozess eine zentrale Rolle. Kann man Loyalität messen und hat sich das Verständnis dafür in den letzten Jahren verändert? Diesen und weiteren Fragen gehen wir im Interview mit Corinne Häggi, Niederlassungsleiterin Zug, nach.

Den Begriff Loyalität kennen wir im Geschäftsleben sowohl aus Sicht der Mitarbeitenden wie auch als Arbeitgebende. Loyalität bedeutet, im Interesse eines gemeinsamen höheren Zieles, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten. Es ist also mehr als einfach nur ein Begriff – es ist eine innere Haltung. Vor allem, wenn es darum geht, auch dann loyal zu sein, wenn man die Werte oder das Vorgehen nicht vollumfänglich teilt, jedoch das gemeinsame höhere Ziel über die eigenen Befindlichkeiten stellt.

Loyalität lässt sich einfach leben, wenn alles rund läuft und keine aussergewöhnlichen Ereignisse eintreffen. Doch wie sieht es aus, wenn Schwierigkeiten oder äussere Umstände uns dazu bringen, den gewohnten Pfad zu verlassen, um nach neuen Wegen zu suchen? Wie sieht es dann mit der Loyalität aus? Im Gespräch mit Corinne Häggi suchen wir nach Antworten.

Welchen Stellenwert hat für Sie Loyalität im Selektionsprozess?
Einen sehr hohen. Auf der einen Seite haben die Kandidat*innen, die sich über uns für eine Schlüsselposition bewerben, Anspruch auf ein loyales Verhalten ihnen gegenüber. Das gemeinsame Ziel ist, den bestmöglichen Match zwischen den Bewerbenden und unseren Kunden zu finden. Und dabei spielt das gegenseitige, ähnliche Werteverständnis der beiden Seiten eine wichtige Rolle. Es sind aber auch die Kunden – die Unternehmer*innen – die mit ihrer Positionierung, einem transparenten Werteverständnis und einer klaren Kommunikation die Voraussetzungen schaffen, um die passenden Kandidat*innen zu selektionieren. Das hat auch viel mit gegenseitigem Vertrauen und Respekt zu tun.

Ist Loyalität messbar?
Loyalität zu messen ist keine exakte Wissenschaft. Man kann im Gespräch wie auch mittels Persönlichkeitsanalyse und Werteverständnis ganz wertvolle Informationen darüber gewinnen, ob eine Person loyal ist oder eher weniger. Vor allem auch die Assessments – unser Lienert-Loop – gibt Aufschluss darüber, wie loyal sich eine Person verhält. Dabei werden unter anderem Ausprägungen bezüglich Sozial-, Umgebungs- und Verhaltens-Kompetenzen herausgeschält, die wertvolle Aufschlüsse geben und Facetten erfassen, die für eine Fach- und Führungsperson als Teil eines Teams entscheidend sind.

Aus Ihrer Erfahrung: Hat sich das Loyalitätsverständnis in den letzten Jahren verändert?
Ja, gewisse Veränderungen gehen mit gesellschaftlichen einher. Ich denke da an Autoritätsverlust oder daran, dass Generation X, Y und Z andere Bedürfnisse als Arbeitnehmende entwickeln. Sie streben eher Selbstverwirklichung an, was per se ein toller Trend ist, denn daraus ergibt sich eine lebendige Start-up-Szene.

Loyalität wird auch mit Treue verglichen. Hatte man früher seine Lebensarbeitsstelle, so sieht das heute mit Lebensabschnittstellen anders aus. So gesehen ist es mehr eine Part-Time-Loyalität, was ich jedoch nicht werten will.

In Zeiten wie diesen, wenn’s eben nicht so rund läuft. Gewinnt in solchen Situationen Loyalität an Bedeutung?
Aktuell befinden wir uns in einer aussergewöhnlichen Situation, und ich beobachte, dass Loyalität gerade wieder an zentraler Bedeutung gewinnt. Sie wird zum Prüfstein für gemeinsame Ziele und Werte – und ist eine innere Haltung, sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es anders läuft, als gewohnt. Wenn neue Wege gefunden werden müssen, um als Unternehmen zu überleben, dann tritt der Anspruch des Einzelnen in den Hintergrund. Im Moment bedeutet es für viele Unternehmen und für die Mitarbeitenden, die interne Stärke zu finden, zu pflegen – um gegen die äusseren Umstände, die wir aktuell nur bedingt ändern können, zu bestehen. Für mich ist Loyalität gerade jetzt mehr als angesagt – und weit weg von einem Auslaufmodell.

Dieses Interview ist im Rahmen eines Beitrages für ein Publikumsmagazin entstanden.

Über Corinne Häggi
Corinne Häggi ist seit bald 10 Jahren Leiterin der Niederlassung Zug, kennt sich mit Geschäftsführungs-, Management- und Schlüsselpositionen bestens aus und ist prädestiniert für internationale Mandate. Darüber hinaus engagiert sie sich unter anderem als Vizepräsidentin des Tourismus Forum Luzern, als Jury-Mitglied beim Tourismus-Award, zudem ist sie Gründungsmitglied vom E-Rotary Zentralschweiz.

Corinne Häggi, Niederlassungsleiterin Zug

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